Kino-Drehort Sizilien

Meine Top-10-Filme aus Sizilien

Wie berichtet, hat es mich auch in diesem Sommer wieder nach Bella Italia gezogen. Die Wochen vor und nach dem Filmfest in Ischia habe ich ausgiebig genutzt, den Rest des Tyrrhenischen Meeres und Siziliens samt der Liparischen Inseln zu erkunden. Es war meine erste Reise nach Sizilien. Und ich war überrascht, welche Vielfalt und Schönheit die größte Insel des Mittelmeers zu bieten hat. Nicht nur mir, auch vielen Filmemachern hat es Sizilien angetan.

Kein Wunder, dass hier einige der besten Filme entstanden sind. Ein Grund mehr, Euch hier meine persönliche Top-10-Filme aus Sizilien und Süditalien vorzustellen. Freut Euch auf eine bunte Mischung: von der klassischen Literaturverfilmung wie Der Leopard bis hin zu Star Wars und Woody Allen ist alles dabei.

1. Neorealismus von Visconti: Die Erde bebt (1948)

Eigentlich als Trilogie geplant, die die widrigen Lebens- und Arbeitsumstände der Bevölkerung Siziliens zeigen sollte, konnte Visconti nur einen der Filme finanzieren. In einem kleinen Fischerhafen nahe Catania wurde Die Erde bebt ausschließlich mit Laiendarstellern und in sizilianischer Sprache gedreht. Erzählt wird die tragische Geschichte der Fischerfamilie Arcidiacono. Diese begehrt gegen ausbeuterische Fischhändler auf und feiert dabei erste Erfolge.

Als die Lebensgrundlage, das eigene Fischerboot, bei einem Sturm zerstört wird, rächen sich die Händler umso heftiger. In Folge rutschen Rädelsführer Antonio und seine Angehörigen noch weiter in die Armut ab. Nicht nur das Lexikon des Internationalen Films weiß: „Ein Meisterwerk und Hauptwerk des Neorealismus“! Unbedingt anschauen.

2. Der Leopard – der Untergang des sizilianischen Adels (1963)

Und gleich noch ein Meisterwerk Viscontis. Dieses Mal mit absoluter Starbesetzung: Burt Lancaster, Claudia Cardinale, Alain Delon – und Mario Girotti, den meisten eher bekannt als Terrence Hill. Gedreht wurde die Verfilmung des Romans „Il Gattopardo“ des sizilianischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa natürlich größtenteils auf der süditalienischen Insel. Drehorte waren u. a. die Villa Boscogrande und andere Locations in Palermo, der Ort Ciminna sowie der Palazzo Gangi-Valguarnera, in dem eine denkwürdige Ballszene gedreht wurde.

Erzählt wird der Niedergang des Adelsgeschlechts der Salina, der beispielhaft die Einigungsbewegung Italiens sowie den Aufstieg des Bürgertums zeigen. Klingt trocken? Ist es aber absolut nicht. Denn nicht nur die Darsteller-Riege ist imposant, sondern auch die Opulenz der Einstellungen sowie die Tragik der Geschichte (und auch die Laufzeit von 183 Minuten). Der Lohn: Il Gattopardo (so der Originaltitel) wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 1963 zum besten Film gewählt.

3. Stromboli – Wenn der Vulkan jederzeit ausbrechen kann (1949)

Den Stromboli habe ich in diesem Sommer selbst bestiegen, wie Ihr in meinem vorigen Blogbeitrag sehen könnt. Was für mich als Touristin ein einmaliges und beeindruckendes Erlebnis war, ist für die Bewohner vor Ort durchaus eine Belastung. Denn auch heute noch gilt, dass der Vulkan auf der Insel jederzeit ausbrechen kann. Und genau diese beklemmende Gefahr ist Thema des Films Stromboli.

Genau dieses Gefühl der Gefährdung thematisierte 1949 Roberto Rosselini in Stromboli, dem ersten gemeinsamen Film mit Ingrid Bergman. Der Inhalt: Karin lernt den Soldaten Antonio in einem Flüchtlingslager kennen und heiratet ihn überstürzt, um dem Lager zu entfliehen. Auf dessen Heimatinsel, der Liparischen Insel mit dem gleichnamigen Vulkan, ist sie entsetzt von der Gefahr durch den Vulkan und das ärmliche Leben dort. Als sie schwanger wird, entschließt sie sich zur Flucht.

Noch ein interessanter Hinweis: Bei den Dreharbeiten verliebten sich der Regisseur und seine Hauptdarstellerin. Das war zur damaligen Zeit ein Riesenskandal, da beide Weltstars seinerzeit noch verheiratet waren. Schaut Euch hierzu am besten das interessante Interview mit Isabella Rosselini zur Entstehung des Films von Stromboli an. Die Tochter der beiden, selbst höchst erfolgreich als Schauspielerin und Model, gibt dort einiges an Hintergrundwissen preis.

4. Gomorrha – die italienische Mafia als Film und als Serie

2006 veröffentlichte der Journalist Roberto Saviano sein gefeiertes und mehrfach ausgezeichnetes Buch „Gomorrha“. 2008 dann kam die Verfilmung Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra in die Kinos und wurde u. a. mit dem Großen Preis der Jury in Venedig ausgezeichnet. Ist das Buch eine einzige Anklage, so zeichnet sich die Verfilmung durch ihren anthropologischen Ansatz aus. In fünf Kapiteln bzw. Handlungssträngen wird nicht gewertet, sondern kühl und beobachtend, fast dokumentarisch der Einfluss der Camorra auf die Bewohner Neapels und Kampaniens, vor allem der Provinz Caserta, gezeigt.

Gedreht wurde vor Ort und zum Teil mit Laiendarstellern, von denen kurze Zeit später mehrere wegen Verbindungen zur realen Camorra in italienischen Gefängnissen landeten. Besonders beeindruckend: die Szenen in der kaputten Hochhaussiedlung „Le Vele“ in Scampia bei Neapel. Die einzelnen Mafia-Clans ließen die Filmcrew gewähren, obwohl anfangs noch gefordert wurde, das Drehbuch vorzulegen und abzusegnen. Als das nicht passierte, ließ man die Filmcrew machen – die Magie des Kinos und der Stolz auf die Teilnahme einzelner Mitglieder hatte anscheinend gewirkt.

Ebenfalls sehenswert: Die gleichnamige Serie Gomorrha, die 2014 startete und von der mittlerweile zwei Staffeln veröffentlicht sind. Eine dritte ist bereits so gut wie fertig und eine vierte schon beauftragt. Auch hier arbeitete Roberto Saviano am Drehbuch mit und die Dreharbeiten fanden ebenfalls direkt vor Ort statt. Regisseur Stefano Sollima erzählte der Hörzu im Interview, dass während des Drehs in Scampia etwa 30 Menschen von der Mafia umgebracht wurden …

5. Der Pate – der Mafia-Film schlechthin (1972)

Francis Ford Coppolas Mafia-Epos, Teil 1 mit Don Vito Corleone (Marlon Brando), seinem „Sohn“ Al Pacino (Michael Corleone), James Caan (Sonny Corleone) und Diane Keaton (Kay Adams-Corleone). Wohl der bekannteste Mafia-Film der Welt. Der Dreh sollte eigentlich direkt im Örtchen Corleone erfolgen, aber der Ort war zur Zeit der Dreharbeiten bereits zu sehr gewachsen, um als kleines sizilianisches Städtchen herzuhalten. Also wurde nach Forza d’Agrò und Savoca in die Provinz Messina ausgewichen. Im letztgenannten Ort wurden u. a. die Trauung Michaels und Apollonias in der Kirche sowie die anschließende Hochzeitsgesellschaft in der Bar Vitelli gefilmt.

Auch bei dieser Verfilmung wollte die örtliche Mafia mitreden. Das Wort „Mafia“ sollte im Drehbuch gestrichen werden, was schließlich auch geschah. Dem Produzenten des Films wurde als kleines Zeichen (vgl. Pferdekopf im Bett) sogar die Scheibe seines Autos durchlöchert. Mit dem Endresultat war man bei der Mafia dann aber doch sehr zufrieden. Ein Experte für das organisierte Verbrechen bezeichnete Der Pate laut kinofenster.de sogar als „besten Werbespot für die Mafia, der je gedreht wurde.“ So oder so: einer DER sichersten Kandidaten der Top-10-Filme aus Sizilien!

6. Palermo Shooting – Treffen sich Wim Wenders, Campino und Dennis Hopper (2008)

Die Vergänglichkeit des Seins“ ist das Thema von Palermo Shooting, dem 2008er-Film von Wim Wenders mit Hauptdarsteller Campino als Fotograf Finn. Dieser gerät in eine Lebenskrise und flieht aus seiner Heimatstadt Düsseldorf. Fluchtziel ist zunächst Palermo. Dort trifft er auf Flavia, eine Restauratorin und entgeht immer wieder knapp dem Tod. Dieser wird gespielt vom genialen Dennis Hopper in einer seiner letzten Rollen vor seinem eigenen realen Tod.

Die beiden Drehorte auf Sizilien heißen Palermo und Gangi. Das titelgebende Palermo und dessen Altstadt bilden die Kulisse des zweiten Filmabschnitts, während im nahe gelegenen Gangi, einer kleinen Gemeinde, die dritte und letzte Station gemacht wurde. Besonders beeindruckend: Der Schlussdialog zwischen Finn und dem Tod bzw. Campino und Dennis Hopper, im Stadtarchiv von Palermo, wo sich uralte Akten und Papiere aus 2.000 Jahren türmen.

7. Geliebte Aphrodite: New York und Taormina (1995)

Der Großteil des Woody-Allen-Films spielt zwar in New York, aber dennoch hat das sizilianische Taormina eine große Rolle. Denn hier an der Ostküste der Insel, genauer gesagt im Teatro Greco, wurden die Aufnahmen des immer wieder auftretenden griechischen Chors gedreht. Gekonnt greift Woody Allen in seinem Film aus dem Jahre 1995 auf dieses Stilmittel antiker griechischer Autoren wie Sophokles und Aischylos zurück. Der Chor gibt hier dem Publikum immer wieder wichtige Hintergrund-Infos und Ausblicke auf die zukünftige Handlung und kommentiert diese ebenfalls. Zum besseren Verständnis schaut Ihr Euch am besten einfach den Beginn des Filmes an:

Der Stadtneurotiker macht sich in Geliebte Aphrodite auf die Suche nach der Mutter seines Adoptivsohns. Dabei stößt er auf die Prostituierte Linda (Nebenrollen-Oscar für Mira Sorvino), mit der er (wir sind schließlich in einem Woody-Allen-Film) eine Affäre beginnt, was wiederum zu weiteren Verwicklungen führt.

8. Cinema Paradiso – Die Magie des Kinos (1988)

40 Jahre Kino in 118 Minuten, die Geschichte einer Freundschaft und einer erfüllten großen Liebe (zum Kino) und einer unerfüllten großen Liebe (zu einem Mädchen). Cinema Paradiso von Giuseppe Tornatore ist ein Fest für jeden Kinoliebhaber. Zurecht erhielt der Film 1989 die Goldene Palme in Cannes und im darauffolgenden Jahr 1990 den Oscar als bester fremdsprachiger Film.
Der autobiografisch geprägte Film um den jungen Filmvorführer Toto und dessen blinden Freund, den alten Filmvorführer Alfredo wurde zum Großteil in der Heimatstadt des Regisseurs, in Bagheria, gedreht, aber auch das sizilianische Cefalù diente als Kulisse.

Inhaltlich sehen wir den erfolgreichen Regisseur Salvatore, wie er in seinen Heimatort zurückreist und dort in Rückblenden seine Kindheit und Jugend im Ort erinnert. Auslöser der Reise ist der Tod des alten Filmvorführers Alfredo, der ihm ein ganz besonderes Geschenk hinterlassen hat: eine Filmrolle, auf der alle auf Geheiß des Dorfpfarrers herausgeschnittenen Kuss-Szenen aneinandergereiht sind.

9. Der Postmann – eine ganz besondere Freundschaft (1994)

Salina, eine der Liparischen Inseln vor Siziliens Nordküste, ist Schau- und Drehort der Romanverfilmung Der Postmann von Regisseur Michael Radford – auf keinen Fall bitte mit Kevin Costners gleichnamigem Film verwechseln. Zusätzlich wurde Radfords tragisch-romantischer Film auch im Golf von Neapel auf der Insel Procida gedreht.

Die Geschichte: Auf Salina trifft der einfache Fischer und baldige Privat-Briefträger Mario auf den Dichter Pablo Neruda. Dieser befindet sich auf der Insel im Exil. Durch die viele Fanpost an den Literaturnobelpreisträger (1971) werden die beiden Männer Freunde. Schon bald interessiert sich Mario auch für Nerudas Dichtkunst. Er begeistert sich für die Worte und wendet diese Poesie bald auch erfolgreich selber an. So erobert er das Herz seiner Angebeteten Beatrice.

10. Star Wars, Episode 3 – da, wo Obi-Wan gegen Anakin/Darth Vader kämpfte

Ja, sogar der Krieg der Sterne fand auf Sizilien statt. Genauer gesagt: der finale Kampf in Krieg der Sterne 3: Die Rache der Sith zwischen Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker, der anschließend zu Darth Vader mutierte. Gedreht wurde das Duell direkt am Ätna, der die Kulisse des lebensfeindlichen vulkanischen Planeten Mustafar bildete. Für die Filmcrew ein besonderes Glück: Pünktlich zum Dreh brach der Vulkan aus, was für umso beeindruckendere Bilder sorgte:

Aber nicht nur auf Sizilien wurde die Star-Wars-Serie gedreht. Im schon oben genannten Caserta bei Neapel befindet sich nämlich der Palazzo Reale. Und dieser stellte im Film die Innenräume des Königspalastes auf Naboo dar. Und dort, wo Königin Amidala herrschte, trieben sich auch noch ein paar andere berühmte Darsteller herum: z. B. Tom Cruise in Mission Impossible 3 sowie Tom Hanks bei den Dreharbeiten für Illuminati.

Die Top-10-Filme aus Sizilien: Habe ich einen vergessen?

Das waren meine Top-10-Filme aus Sizilien und Süditalien. Es gibt noch eine ganze Menge anderer Filme, die dort ebenfalls gedreht wurden und die auch absolut sehenswert sind. Ich möchte hier nur drei nennen: Michael Ciminos Der Sizilianer (Drehort natürlich Sizilien), Hochzeit auf Italienisch mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren (u. a. gedreht in Neapel und Palermo) oder Seefeuer von Gianfranco Rosi, der Berlinale-Gewinner 2016 (Drehort Lampedusa). Auch ein paar Szenen von Ocean’s Twelve wurden auf Sizilien gedreht. Und zwar in Scopello, von dem Ihr in meinem vorigen Post auch ein paar Impressionen sehen könnt.

Ich bin gespannt, ob Ihr noch weitere Filme kennt, die Eurer Meinung nach in meiner „Top-10-Filme aus Sizilien“ fehlen. Schreibt mir hier, welcher Film unbedingt noch in meine Liste gehört! Und ich schaue nschließend, ob ich sie noch um ein paar „Bonus-Tracks“ ergänze.

Ciao,

Eure Alexandra Klim

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