Die erste lizensierte Pilotin mit dem Jet Type Rating für die Cirrus SF50 Vision

Erste Vision Jet Pilotin – oder wie man in Minnesota Geschichte schreibt

Wenn man für die Osterferien (bzw. den amerikanischen Spring Break) von Kalifornien nach Minnesota zieht, muss es schon sehr gute Gründe geben. Von Hollywood nach Duluth; vom Pazifik vor der Tür hin zum frostigen Lake Superior; von frühlingshaften Mittzwanziger-Temperaturen in die nördliche Kälte Minnesotas, wo sich der Winter gerne Mal bis Ende April austobt. Aber was macht frau nicht alles, um „Geschichte zu schreiben“! 😉

Making History in Duluth/Minnesota

Gesagt, getan. Nachdem ich Ende Februar in Orlando (wie hier berichtet) Blut geleckt hatte, war die Mission klar: Auf nach Duluth zum Hauptsitz der Cirrus Design Corporation, um als erste Pilotin überhaupt das Jet Type Rating für die Cirrus SF50 Vision zu erhalten. Für alle, die keine Aviation Geeks sind und sich fragen „Was ist ein Jet Type Rating?“, hier die kurze Erklärung: Das Type Rating, im Deutschen „Musterberechtigung“ genannt, ist eine theoretische und praktische Einweisung in ein entsprechendes Luftfahrzeug – in meinem Fall in die neueste Maschine von Cirrus. Nach Abschluss einer erfolgreichen Prüfung (mündliches Examen und anschließender Check Ride im Jet) erhält man eine Lizenz, die i. d. R. jährlich erneuert werden muss.

Cirrus SF50 Vision auf dem Rollfeld des Flugplatzes in Duluth/Minnesota
Nicht nur sexy anzuschauen, sondern auch mit erstklassigen Flugeigenschaften: der Cirrus SF50 Vision Jet.

Meine zwei Wochen am Lake Superior

Über Duluth gibt es nicht wirklich viel zu berichten, außer daß es die Heimatstadt des großen Bob Dylan ist und man hier den besten Wildreis-Burger der Welt essen kann. Aber es gab eh keine Zeit für Sightseeing oder sonstige Vergnügungen. Die erste Woche in Minnesota habe ich vorwiegend in einem fensterlosen Unterrichtsraum am Flughafen verbracht. Theoretisches Büffeln war angesagt, alle Systeme des Jets galt es in- und auswendig zu kennen und auch das Cirrus Perspective Cockpit mit Garmin G3000 System sollte man beherrschen, bevor man sich auf die Startbahn traut.

In der zweiten Woche durfte ich endlich mit dem Vision Jet abheben. Aber auch das stellte sich als schwierig heraus, da uns Schneestürme und heftiger böiger Wind oft einen Strich durch die Planung machten. Nach insgesamt nur zwölf Flugstunden, an meinem letzten Tag in Duluth, war der Check Ride angesagt. Der Druck war also groß, ich durfte mir keinen Patzer erlauben.

Kurzum, die Anstrengungen haben sich gelohnt –  der FAA-Prüfer hat mir noch auf der Landebahn mein vorläufiges Zertifikat überreicht. Und ab sofort lest Ihr hier im Blog der allerersten PilotIN mit dem Vision Jet Rating. Ein Riesendank geht übrigens an dieser Stelle an die geduldigen Fluglehrer von Cirrus Aviation auf dem Flugplatz in Duluth.

Ich möchte meine fliegerische Leistung keineswegs mit den Taten großer Fliegerinnen-Idole wie Amelia Earhardt oder der ersten deutschen Pilotin überhaupt, Melli Beese, vergleichen. Aber ein wenig stolz bin ich doch, hier eine Pionierin zu sein. Die zwei Wochen waren, abgesehen von den Außentemperaturen, jede Sekunde wert. Jetzt heißt es nur noch einsteigen und abheben mit der Cirrus SF50 Vision.

Frisch aus dem Hangar; die Cirrus SF50 Vision
Gleich geht es los: die nächste Flugstunde für mein Type Rating im Vision Jet!
Ready for Take-off: Alexandra Klim und die Cirrus SF50 Vision
Ready for departure: Die Cirrus SF50 Vision und Alexandra Klim

Der Cirrus SF50 Vision Jet – ein Traum mit Ruddervator und Rettungsfallschirm

Die Cirrus SF50 ist der erste einmotorige Business-Jet und ein nicht zu unterschätzendes kleines Kraftpaket. Sein Williams International FJ33-5A Turbofan produziert beeindruckende 1.800 Pfund Schubkraft. Die aufmontierte Lage des Triebwerks auf dem hinteren Teil des Flugzeugrumpfes gibt dem Jet nicht nur einen flexibleren Massenschwerpunkt. Für uns Piloten ist der Turbofan so vor dem Flug leichter zu inspizieren, der Lärm an Bord wird gemildert und die Sicherheit der Kabine im Fall eines Triebwerksausfalls erhöht. Die Flugeigenschaften der SF50 sind erstklassig, u. a. auch dank des speziellen Ruddervators. Schaut Euch hier die Detailaufnahme des in Fliegerkreisen auch V-Tail genannten Leitwerks an.

Ruddervator der Cirrus SF50 Vision: Design meets Luftfahrttechnik
Ein echtes Designerstück mit Turbofan & Ruddervator – der Cirrus SF50 Vision Jet.

Dieser Ruddervator ist eine Kombination der bei den meisten anderen Flugzeugen getrennten Leitwerke für horizontale (yaw) und vertikale Steuerung. Erfunden hat das Ganze ein polnischer Ingenieur namens Jerzy Rudlicki im Jahre 1930.

Berühmtes Fliegerzitat von Ed Bolen, dem Präsidenten und CEO der National Business Aviation Association (NBAA)
Eine Meile auf der Startbahn … und die ganze Welt gehört Dir!
Cirrus SF50 Vision und die erste lizensierte Pilotin dieser Maschine
Dream Team – die Pilotin und ihre Maschine nach bestandener Prüfung.

Ich könnte mich jetzt noch stundenlang über die höchst beeindruckenden Details des Vision Jet auslassen, aber genug zur Technik und zur Geschichte des Ruddervators und der Cirrus SF50 Vision. Denn viel, viel wichtiger ist die Freude, dieses tolle Flugzeug jetzt selbst und als Single Pilot fliegen zu dürfen!

Ich halte Euch hier auf dem Laufenden. Wünscht mir einen guten Flug!
Eure Alexandra Klim

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2 comments

  1. Hi Alexandra,
    bei mir steht das SF50 type Rating Anfang August an. Mache ich auf meiner eigenen Maschine, welche ich am 15.August übernehme. Freue mich schon riesig drauf.
    Hatte im Juni das Vergnügen in Mengen, Deutschland, den Jet zum ersten Mal zu fliegen. Adam Hahn hat mit der SF50 auf dem Weg von Holland nach Lugano einen Stop in EDTM eingelegt und mich eingeladen ein paar Runden zu drehen. Beeindruckend!
    Vielleicht sieht man sich ja mal in Lugano…

    1. Hallo Stefan, das klingt toll! Gratulation zum eigenen Vision Jet. Ich hoffe, es geht mit dem Type Rating gut voran? Ich drücke die Daumen! LG Alexandra

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